Tand
M. von Kralik
Wer ist an Glück und Heil mir gleich?
Ich bin so wie kein König reich.
Ich bin wie Göttergedanken frei,
die höchste Herrschaft wohnt mir bei.
Die ganze Erde, Stadt und Land,
ist als mein Eigen mir bekannt.
Und ohne Spott dünk' ich mich gleich
den Fürsten all von allem Reich.
Die Geister hören auf mein Wort,
ich ruf' sie her, ich schick' sie fort,
wie mir's im Augenblick gefällt;
ich spiele mit der ganzen Welt.
Mich haben meine Freunde gern
und bleiben treu mir nah' und fern,
und gute Frauen grüßen mich
und freuen meines Grußes sich.
Wer hat etwas vor mir voraus
als nur des Amtes Müh' und Graus?
Unfreier ist niemand als ihr;
der Welt, dem Haufen dienet ihr.
Und all' die Freiheit, all' die Ehr',
dies hohe Glück und noch viel mehr,
das gibst du hin, o Herz, wie Tand
in eines Mädchens kleine Hand.