Geh' ich durch den Klostergarten
A. Braubach
"Geh' ich durch den Klostergarten
Bei des Frühlings lindem Weben,
Staunen muß ich, daß ich atme
Nach dem Kampf auf Tod und Leben;
Atme, weil mit seltner Treue
Gute Menschen für mich wachten,
Christen für den Ungetauften,
Und dem Leib Genesung brachten.
Nur dem Leib: der wunden Seele
Arzenei erdenkt kein Denker!
Kam sie krank in diese Mauern,
Krank genug, hier ward sie kränker.
Kam sie krank an Haß und Liebe,
Krank genug an diese Stelle,
Kränker durch des Zweifels Qualen
Ward sie in der Klosterzelle!
Beides bist du, Pater Prior,
Weis' und gut, des muß ich klagen:
Deine Weisheit, deine Güte
Hat mir bittre Frucht getragen."