Wird den Menschen zugewogen
A. Braubach
"Wird den Menschen zugewogen
Leid und Lust mit gleicher Waage,
Schulden mir gerechte Götter
Sonnenschein und linde Tage.
Dunkel war es, was ich lebte!
Übles hast du angestiftet,
Wodanspriester, der das weiche
Knabenherz mit Haß vergiftet.
Dann ein Rausch, der siegestrunkne
Taumel auf den Wikingszügen:
War das frohbewußten Glückes
Ruhig atmendes Genügen?
Dann des Argen Neid, der mitten,
Mitten mich ins Herz getroffen;
Ächtung, Siechtum, Seelenkämpfe
Und ein Lieben ohne Hoffen.
Innerlich verhärmt, verkümmert,
Seh' ich um mich Schutt und Scherben:
O ihr allzu treuen Pfleger,
Warum ließt ihr mich nicht sterben? --
Wird den Menschen zugewogen
Leid und Lust mit gleicher Waage,
Schulden mir gerechte Götter
Sonnenschein und linde Tage."