Der Sandträger

A. Bungert

Sand! Sand!

Ich bin so müd', ihr Leut'!

Hat keiner Sand gestreut

den ganzen langen kalten Tag,

da ich frostzitternd stand und Lasten trag'!

Sand! Sand!

Es sind noch fünf zu Haus!

Die Mutter, die schafft draus;

dann weinen sie, die kleinen Kind,

weil sie mich ausgesandt und hungrig sind!

Sand! Sand!

Dort liegt das Brot zu Hauf,

dass ich mir eines kauf';

so nehmt, ihr Leut', den Sand mir ab,

weil ich so weit gerannt und Hunger hab'!

Sand! Sand!

Der Abend bricht herein,

nun friert es Bein und Stein!

Doch heim ich nimmer gehen kann,

sie harren unverwandt und schau'n mich an!

Sand! Sand!

Das Kleine jauchzt und lacht:

"Was hast du mitgebracht?"

Die Mutter weint und sagt kein Wort

am kalten Herdesrand, dann schleich' ich fort!

Sand! Sand!

Die Träne friert zu Eis,

ich ruf' es noch ganz leis'.

Die Häuser locken hell und warm,

mir öffnet keine Hand. - Dort winkt ein Arm!

Sand! Sand!