Gretchen

A. Bungert

Des Sonntags Morgens in aller Fruh,

Da kam mir eine traurige Botschaft zu,

Dieweil ich von meinem Schatz hab Abschied genommen,

Ich sollt doch noch einmal zu ihr kommen.

Und da ich zu ihr gekommen bin,

Da thät sie mir sagen in aller Still:

Ich sollt sie nicht verlaßen in aller ihrer Noth,

Ich sollt sie treulich lieben bis in de n Tod.

Schau an mein bleiches Angesicht,

Schau an wie die Lieb es hat zugericht't.

Kein Feuer auf Erden mag brennen so heiß

Als heimliche Liebe, da Niemand von weiß.

Ich hab einen Schatz, und den muß ich meiden,

Muß von ihm gehn, kein Wort mit ihm reden.

Und hätt ich ein Herz viel härter als Stein,

So könnt ich doch nimmer wieder fröhlich sein.

Disteln und Dornen, die stechen ja so sehr,

Aber falsche Zungen, die stechen noch viel mehr.

Lieber wollt ich gehn, wo Disteln und Dornen stehn

Als wo zwei falsche Zungen beisammen gehn.

Mit Trauern da muß ich schlafen gehn,

Mit Trauern muß ich wieder auferstehn;

Mit Weinen und Klagen vertreib ich meine Zeit,

Dieweil ich nicht kann haben was mein Herz erfreut.

Nun bitt ich, du wollst bei meinem Begräbniß sein,

Und wollst mich auch legen ins Grab hinein;

Und wollst mich helfen tragen ins kühle Grab,

Dieweil ich dich so treulich geliebet hab.

Unter meinem Herzen da liegt ein großer Stein,

Darunter liegt begraben die Herzallerliebste mein.

Läg ich nur auch schon im kühlen Grab

Bei der, die ich so treulich geliebet hab.