Rheinwein

A. Bungert

Ich weiss einen Helden von seltener Art

so stark und so zart

das ist die Blume der Ritterschaft

das ist der erste an Milde und Kraft,

so weit auf des Vaterlands Gauen

die Sterne vom Himmel schauen

Er kam zur Welt auf sonnigem Stein

hoch über dem Rhein

wie er geboren, da jauchzt' überall

im Lande Trompeten- und Paukenschall,

da wehten von Burgen und Hügeln

die Fahnen mit lustigen Flügeln.

In goldener Rüstung geht der Gesell

das funkelt so hell!

Und ob ihm auch mancher zum Kampfe sich gestellt

weiss keinen, den er nicht endlich gefällt;

er machte noch allen zu schaffen

mit seinen feurigen Waffen

Doch wo es ein Fest zu verherrlichen gilt

wie ist er so mild!

Er naht, und die Augen der Gäste erglühn

und der Sänger greift in die Harfe kühn,

und selbst die Mädchen im Kreise

sie küssen in heimlicher Weise

O komm, du Blume der Ritterschaft

voll Milde und Kraft

Tritt ein in unsern vertraulichen Rund

und wecke den träumenden Dichtermund

und führ uns beim Klange der Lieder

die Freude vom Himmel hernieder.