Früh wollt' ein Jäger jagen

A. Bungert

Früh wollt' ein Jäger jagen,

wohl jagen auf der grünen Heid'.

Was begegnet ihm allda?

Ein Mägdelein schneeweiß gekleidt.

Sie setzten sich zusammen

zu zwei und drittehalb Stund,

bis dass der Tag,

bis dass der helle Tag anbrach.

Steh auf, du edler Jäger,

steh auf, es ist tausender Zeit,

deine Hirschlein, die laufen,

laufen auf grüner Heid'

Lass sie laufen, wo sie wollen,

denn sie laufen dem Bauer ins Kraut,

und sie müssen's ja bezahlen

mit ihrer eig'nen Haut!

Steh nur auf, du edle Dame,

steh nur auf, es ist tausender Zeit!

Deine Ehr' hast du verschlafen

bei dem Jäger auf grüner Heid'!

Hab' ich mein' Ehr' verschlafen

bei dem Jäger auf grüner Heid',

so bedaur' ich, so bedaur' ich

mein schneeweißes Kleid.

Nicht allein mein schneeweißes Kleidchen,

sondern auch mein kohlschwarzes Haar!

Doch es war der Allerschönste,

der heute bei mir war!