Einst

O. Schoeck

Ihr Bilder, die die Zeit begrub,

O Knabenwelt, du ferner Klang,

Da ich, ein kleiner Hüterbub,

Durch unsers Dorfes Wiesen sprang

Da die Natur mir offen lag,

Ein unermeßner Gottesbrief,

Da betend ich begann den Tag

Und abends mit Gebet entschlief,

Da einer Zukunft hell und blau

Hoffend dies Herz entgegenschlug,

Das eine scheue Lieb wie Tau

Im Kelche einer Blume trug!

O Wiesen bunt, o Wachtelschlag

Um einen kleinen Meierhof,

O Waldesduft, wenn am Mittag

Das Harz von jeder Tanne troff!

Herbst, wenn opfernd gab der Baum

Die Kinder all, die müden, hin,

Nachdem ein Zug der Sehnsucht kaum

Die Schwalbe zog nach Süden hin,

Wenn sich ihr Sterbekleid gewählt

Die Flur, wenn dicht der Nebel strich,

Wenn langsam alles sich entseelt,

O grauer Herbst, wie liebt ich dich!

Und wenn bei Nacht der Lampenschein

Das rege Treiben karg erhellt,

Wie gerne sah ich dann hinein

In einer Hütte kleine Welt!

Das junge Volk saß um den Tisch,

Großmutter nickte beim Gebet;

Hier sprang das Weberschiffchen frisch,

Dort ward die Spindel rasch gedreht.

Mir war's, als ob ein Engel leis,

In dessen Hand die Lilie hing,

Unsichtbar, doch geahnt im Kreis

Der einigen Familie ging.

Du Wald im dunkelfarbnen Kleid,

Ihr Nächte, lautlos, ohne Stern,

Du sumpfig Moor, du graue Heid,

Durch eure Schauer schweift ich gern.

Du Irrlichtflackern überm Ried,

Geruch von halbverbranntem Torf.

Du kunstlos schlichtes Schmidlilied,

Musik von meinem Heimatdorf!

Du Märchenwelt, die in mir schlief!

O Jugendzeit, voll Drang und Sturm!

Du Klang, der mich zur Schule rief,

Du Klang von dem bemoosten Turm!

Ihr Bilder, Träume ohne Zahl,

Ihr halb verklungnen Melodien,

Wie Geisterschatten noch einmal

Naht mir und tretet vor mich hin!