Liederfrühling

O. Schoeck

Der Lenz ist da

Und fern und nah

Gibt's neue Weisen und Lieder,

Wie einst Merlin,

So lausch ich hin

Und Alles schreib ich nieder.

Horch, in der Luft

Schmettert und ruft

Früh schon der Sang der Lerchen;

Wie er schwillt und stirbt;

Wie die Grille zirpt

In der Wiese ihr schnurrig Märchen.

Was die Schlange klug

Ihre Kinder frug,

Die im Sonnenlichte schillern;

Was Hänfling und Fink

Im Fluge flink

Einander zwitschern und trillern.

Was die Amsel auch

Erzählt im Strauch,

Was die Drossel klagt dem Holunder,

Was den Rosen all

Flötet die Nachtigall,

Die lieblichen Sagen und Wunder.

Was die Vögel gewusst,

Die voll Wanderlust

Aus dem Süden erst gekommen,

Was im Walde tief

An Märchen schlief,

Hab alles, hab alles vernommen.

Hab' es abgelauscht,

Was lenzberauscht

Die Glockenblumen läuten:

Lieder und Melodien,

Wie Merlin

Kann ich sie deuten.