Leidenschaft

O. Schoeck

Was immer mir die Feindschaft unterschoben,

Mein einziges Verbrechen ist dies Feuer

Der Leidenschaften, die in immer neuer

Empörung wild durch meine Adern toben.

Oft schien mir diese Glut gesandt von oben;

In jeder Brandung war sie mir ein Steuer,

Und ihre Flammen waren oft mir teuer,

Wenn mich mein Los mit kaltem Reif umwoben.

In meines Lebens Buch die meisten Zeilen

Schrieb sie; sie hieß mich arm und unstät schweifen

Und schlug mir Wunden, welche kaum mehr heilen.

Doch ließ sie auch Erhabnes in mir reifen,

Ja, an das Göttliche ließ sie zuweilen

Die Schwingen meiner trunknen Seele streifen.