Nacht, Muse und Tod

O. Schoeck

Komm, ambrosische Nacht, ströme dein Silberlicht

Weich und träumerisch aus über das ew'ge Meer!

Wieg in seligen Frieden

Dieses müdegehetzte Herz!

Spinnst du wieder, wie einst, lieblicher Gott des Traums,

Goldne Fäden um mich? Rührt die Erinnerung

Sanft die Saiten der Seele,

Oder kommst du, Erhabne, selbst?

Leise, schüchternen Tritts, wie sich der Liebe Glück

Einst dem Knaben genaht, nahet die Göttliche,

Und das heilige Feuer

Schürt sie wieder im Busen mir.

Was das Leben dir auch oder der Tod dir nahm,

Blieb die Muse dir treu - nimmer verarmt ein Herz,

Dem das Leid in Gesängen

Auszuströmen ein Gott verlieh.