Trauer

O. Schoeck

Ein unbezwingbar dunkler Hang

Läßt oft durch dornverschlungne Pfade

Mich einsam schweifen Tage lang

Am schilfbewachsnen Seegestade.

Rings Wald und Moor. Wie schwül die Luft!

Die Wildnis hier, wie abgelegen!

Gleich einer dunkelgrünen Gruft

Gähnt schweigend mir der See entgegen.

Ein Wasserhuhn huscht scheu empor

Und duckt sich wieder unterm Schilfe:

Gedehnt und klagend tönt vom Moor

Ein Laut oft, wir ein Ruf um Hilfe.

Ein Geier schwebt mit schrillem Pfiff

Hoch über meinem Haupt im Blauen...

Am Strande liegt ein leckes Schiff,

Wie eine Leiche anzuschauen.

Und fernher, kalt und feierlich,

Starrt das Gebirg mit seinen Gletschern;

Es spiegelt in den Wellen sich,

Die ums versunkne Pfahldorf plätschern.