Abendlied

C. Bach

So flüchtig als des Tages Stunden

mir unter Lust und Schmerz verschwunden,

verfliegt mir meine Lebenszeit.

Mein kurzer Pfad wird immer jäher,

mit jedem Abend rück ich näher,

o Vater, deiner Ewigkeit.

Vielleicht hat deine milde Sonne

zum letztenmal mit Lebenswonne

und Jugendkraft mein Herz erquickt.

Eh noch die Morgensonne glühet,

bin ich vielleicht wie Gras verblühet,

verblühet und der Erd entrückt.

Ach, Gott, ich denk's mit Furcht und Beben!

Vor deinem Antlitz steht mein Leben,

steht jede Neigung, jede Tat.

Sei gnädig, Ewiger! verschone!

Ich seufze: Ach, in deinem Sohne

sei gnädig meiner Missetat!

Sieh diese Tränen meiner Reue:

Herr, ich gelobe dir aufs Neue,

mich treuer deinem Dienst zu weihn.

Bald fällt auf meine Augenlider

von dir gesandt der Schlummer nieder.

O lass ihn sanft und stärkend sein!