Passionslied
C. Bach
Da stehest du, Sohn Gottes,
von Frevlern frech entweiht:
ein Ziel des niedern Spottes,
zerschlagen und verspeit!
Doch mehr als Schmerz und Schande
kränkt dich dein schwacher Freund,
der treulos dich verkannte
und nun den Fall beweint.
Doch spricht aus deinen Blicken
nur Gnade, nur Geduld.
O Jesu, wie entzücken
die Proben deiner Huld!
Du kämpfst mit eignen Schmerzen;
doch fühlst du fremde Pein
und eilst, bedrängten Herzen
Erquickung zu verleihn.
Die Allmacht deiner Blicke
dringt Petro tief ins Herz.
Beschämt geht er zurücke,
erfüllt mit Reu und Schmerz.
Wie wuchs nun deinem Zeugen
Beständigkeit und Mut!
Furcht konnt ihn nie mehr beugen:
Für dich, Herr, floss sein Blut.
Erlöser meiner Seele,
sei meine Zuversicht.
Ich, Schwacher, ich verhehle
dir meine Sünde nicht.
Mit Scham und bittrer Reue
bekenn ich es vor dir:
Auch ich vergaß der Treue.
Vergib, vergib es mir!
In meiner Nacht erscheinen
mir deiner Gnade Licht!
Gib, wenn ich einsam weine,
dem Herzen Zuversicht.
Ich will dich frei bekennen,
dich, meinen Herrn und Gott.
Nichts soll von dir mich trennen,
nicht Schande, nicht der Tod.