Morgenlied

C. Bach

Nun ist es Tag. Mit frommen Dank

verlass ich Bett und Ruh.

Herr, höre meinen Lobgesang!

Mein erstes Wort bist du.

Wie hat der Schlummer mich erquickt!

Ich fühle neuen Mut.

Vor Tausenden bin ich beglückt,

die nicht so sanft geruht.

Mein neues Leben dank ich dir,

dir die verjüngte Kraft.

Denn beides, Vater, hast du mir

auf mein Gebet verschafft.

Ich nehm's aus deinen Händen hin

mit froher Dankbarkeit.

Herr, was ich habe, was ich bin,

sei ewig dir geweiht.

Mein ganzes Leben preise dich!

Dein soll mein Herz sich freun.

Nur, bester Vater, lehre mich,

fromm und dir treu zu sein!

Der Erdenlüste Eitelkeit

berücke nie mein Herz.

Gib Klugheit bei der Fröhlichkeit

und Mäßigung im Schmerz!

Kurz ist der Eitelkeit Genuss,

die mir die Welt versprach.

Und Reue, Marter und Verdruss

folgt ihren Freuden nach.

Ich schwacher Pilger in der Zeit

will ihre Lüste fliehn.

Nur um das Heil der Ewigkeit

soll sich mein Geist bemühn.

Dann wird es niemals mich gereun,

dass ich den Tag durchlebt:

Ich werde froh und selig sein,

wenn man mich einst begräbt.