Abschied

H. Sommer

Die Schuhe geflickt und der Beutel gespickt,

Grüß' Gott, du wirthliches Dach!

Fahrt wohl, ihr Brüder, die ihr mir nickt,

Und saget nichts Böses mir nach;

Schweigt stille, ihr Mädel, von Abschied und Trauer,

Ich blase die Feder wohl über die Mauer,

Und fliegt sie grad' oder schräg,

So geht mein Weg.

Sie steckten ans Wamms mir den duftigen Strauß

Und schenkten mir noch einmal ein,

Dann wandert' ich fürbaß zum Thore hinaus

Und war in der Fremde allein.

Zurück nach den Thürmen noch blickt' ich vom Stege,

Da riefen die Vögel aus Busch und Gehege:

Fahr' weiter, Gesell, fahr' zu!

Was säumest du?

Zog über die Heide und über das Moor,

Da wehte der Wind so kalt,

Da sang es im Schilfe, da pfiff es im Rohr,

Und dann in den düsteren Wald,

Da gingen die Bäume die Winke die Wanke,

Die Brausen die Brasseln, die Klinke die Klanke,

Da schäumte und rauschte der Bach:

Mir nach! mir nach!

Nun kam ich zur klappernden Mühle in Gang

Und dachte: da kehrest du ein

Und legst dein Bündel still unter die Bank

Und grüßest mit Glück herein!

Den Mühlenstein sollst auf's Wasser du schlagen.

Tragt's den, so wird es dich auch wohl tragen;

Das Mühlrad ging immer rundum:

Kehr' um! kehr' um!

Ich habe durchfahren das weite Land,

Durchfahren dahin, daher,

Und was allerwegen vom Glück ich fand,

Davon ist das Ränzel nicht schwer,

Die Blumen am Wege, am Himmel die Sterne,

Die Einen verwelkt, die Andern so ferne,

Mein Herz, in der Welt allein,

Wer denkt noch dein?