Die schönste Frau vom Rheine

H. Sommer

Sei mir gepriesen und gelobt,

Du sangesfroher Rhein,

Wo ich gekostet und geprobt

So manchen goldnen Wein!

An deinen Ufern rebengrün,

Viel schöne Frau'n und Mädchen blühn,

Wo aber wandelt Eine,

Die

schönste

Frau vom Rheine?

Ich weiß es wohl, doch nimmerdar

Werd' ich es euch gestehn,

Es würde sonst der Pilger Schaar

Zu ihr auf Wallfahrt gehn.

Ich saß bei ihr am Tafelrund,

Doch mir erstarb das Wort im Mund,

Stumm fand mich selbst beim Weine

Die schönste Frau vom Rheine.

Es schwebt gleich einer Königin

Ihr lilienstolzes Bild,

Ihr Wesen Anmuth, Huld ihr Sinn,

Ihr Lächeln wundermild.

Die Augen brunnentief und klar,

Hoch krönet dunkellockig Haar

Die Stirn von Elfenbeine

Der schönsten Frau vom Rheine.

Zieh hin, mein Lied, mit leisem Ton

Und kling umher um sie,

An ihrem Sitz, an ihrem Thron,

Zu ihren Füßen knie.

Soviel des Wassers fließt zur Au,

Soviel des Weines wächst im Gau,

Soviel grüß mir die Eine

Die schönste Frau vom Rheine!