Mittsommerstrauß
H. Sommer
Wer wird nun den Mittsommerstrauß,
Du armes Kind, dir pflücken?
Und weinst du dir die Augen aus,
Darfst dich mit Rosen nicht schmücken;
Die Gilgen sind für dich zu weiß,
Dir ziemt nicht Veil und Ehrenpreis,
Nur Kraut und grüne Blätter.
Wenn ihr mir keine Gilgen gönnt,
Schleich' ich mich still bei Seite,
Und weil ihr mir nicht helfen könnt,
Brauch' ich auch kein Geleite.
Es findet die verlass'ne Braut
Wohl Frauenthrän' und Haderkraut,
Friedlos und Gottvergessen.
Und sollt' ich gar betrogen sein
In Schmach und Missewende,
So such' ich mir Neunhämmerlein,
Weiß auch, zu welchem Ende.
Wachholder wächst und Rosmarin,
Und unterm Hagedorne blühn
Wegwart und Wedewinde.
Doch wenn mein Liebster wiederkehrt,
Ist keine Treu gebrochen,
Er hat zu hoffen mich gelehrt,
Das Ringlein mir versprochen.
Daß ihn der liebe Gott behüt'!
Nach ihm nur schmachtet mein Gemüth
Wie Sommerlaub nach Regen.