Drei Jungfräulein
H. Sommer
Es waren drei schöne Jungfräulein,
Die liebten einen Knaben,
Und jede wollt' ihn gern allein
Zu ihrem Buhlen haben.
Des Morgens früh die Erste kam,
Hatt' ihm eine Rose gebrochen,
Doch als er in die Hand sie nahm,
Hat ihn ein Dorn gestochen.
"Weh! deine Lieb' birgt heimlich Leid,
Wie Dornen wird sich's geberden,
Nimm einen Andern, du Rosenmaid,
Wir können nicht glücklich werden."
Die Zweite kam am hohen Tag
Und bracht', um ihn zu werben,
Ein goldgelb Ringlein, doch es lag
Bald auf dem Estrich in Scherben.
"Es ist nicht Alles Gold, was gleißt,
Nicht echt ist deine Treue,
Ist wie dein Ring aus Glas geschweißt,
Schafft dir und mir nur Reue."
Die Dritte kam zur Dunkelheit:
"Ich habe nichts zu geben,
Aber ich biete für alle Zeit
Mein Herz dir und mein Leben."
Er sah im letzten Dämmerschein
Zwei helle Thränen blinken,
Er fühlt' im stillen Kämmerlein
An seine Brust sie sinken.
Er drückte sie an sich, er mußte sie
Mit ganzer Seele umfassen,
Er hielt sie fest und hat sie nie,
Nie wieder von sich gelassen.