Im Sturme
H. Sommer
Ich ging im Sturme durch den Wald,
Da rauscht' es in den Zweigen,
Ein Jauchzen war's, ein Donnern bald
In stolzer Wipfel Neigen.
Wie's oben braust
Und mich umsaust,
Begann ich selbst zu singen,
In Sang und Klang
Aus tiefem Drang
Mit Sturms Gewalt zu ringen.
"Du kommst gewandelt, heil'ge Macht,
Mit starkem Wehn und Weben,
Fährst nieder in des Waldes Pracht,
Daß seine Wurzeln beben.
Mit deinem Hauch
Triffst du mich auch,
Daß mir die Seele zittert,
Von deinem Geist,
Der schaffend kreist,
Fühlt sich mein Herz umwittert.
Doch wenn dein Arm auch Wälder beugt,
Ich will vor dir nicht wanken,
Ich bin aus deiner Kraft gezeugt,
Weltwesen ohne Schranken.
Wenn du mich schaust,
Sieh, ob mir graust
In deinen hohen Wettern,
Mag auch dein Blitz
Vom Wolkensitz
Der Felsen Bau zerschmettern."
Bald schwieg der Sturm, die Wolke riß,
Ich sah es blau sich malen,
Und durch des Waldes Finsterniß
Erging ein goldig Strahlen.
Nur flüsternd wob,
Nur leise hob
Sich noch ein sanft Getriebe,
Mein Herz doch schlug
Noch laut, es trug
Die Sturmessaat der Liebe.