Der graue Gesell
H. Sommer
Hat sich ein Kerl an mich gehängt,
Der gar nicht los zu werden,
Auf Schritt und Tritt sich zu mir drängt
Mit äffenden Geberden.
Er hat mit mir stets einen Weg,
Ist auch kein Mädchenhasser,
Doch geht es über schmalen Steg,
Fällt lautlos er ins Wasser.
Ist ein geschmeidiger Gesell
In dunkelgrauem Kleide,
Leichtfüßig und gedankenschnell
Und thut mir nichts zu Leide.
Er treibt sich rings um mich herum
Und setzt sich mit mir nieder,
Wenn ich ihn grüße, dankt er stumm,
Droh' ich ihm, droht er wieder.
Im Vollmond und im Sonnenschein
Kommt er, wo ich mich zeige,
Ein Spielmann aber muß er sein,
Oft seh' ich seine Geige.
Hat auch den echten Spielmannszug,
Den freudigen, gelenken,
Hebt stets mit mir zugleich den Krug
Und winkt mit mir dem Schenken.
Gut scheint er mit dem Wirth zu stehn,
Der muß mit Kreide malen,
Denn trinken hab' ich ihn wohl sehn,
Allein noch niemals zahlen.
Das ist nun zwar das Schlimmste nicht,
Was ich ihm schelten müßte,
Wenn ich nur von dem grauen Wicht
Sonst noch was Gutes wüßte.