An einen Bach

J. Hiller

Sanfter Bach, der hier unter Sträuchen

Lieblich mir zu Füßen fließt!

Möchte dir stets mein Leben gleichen,

Das noch itzt dir ähnlich ist!

Wenn in dir gleich kein Goldsand fließet,

Und sich keine Perle nährt:

O! in dir, wo du schleichst, ergießet

Segen sich von höher'm Werth.

Mußt du oft dich durch Ufer drängen,

Schmiegend findest du doch Bahn,

Und du triffst auch in krümmsten Gängen

Blumen, die dir lächeln, an.

Ungetrübt schlüpft die kleine Welle,

Reinem Silber gleich, daher;

Rein kam sie aus der ersten Quelle,

Rein fließt sie auch in das Meer.