Die Spinne
J. Hiller
Kunstvolle Weberin, die ich
Hier so geschäfftig finde;
Wie wunderbar ergötzet mich
Dein künstliches Gewinde!
Die Fäden -- o! so zart spinnt sie
Die feinste Hand am Rädchen nie!
Wie sanft! wie gleich sie fliessen!
Wie richtig sie sich schliessen!
Sey ruhig unter meinem Tisch!
Nie soll's die Köchinn wagen
Und dich mit ihrem Flederwisch
Aus deinen Zirkeln jagen!
Hier will ich deine Wunder sehn,
Und sorgsam nach der Ursach' spähn,
Was du dabey gewinnest,
Daß du so künstlich spinnest, - - -
Was seh' ich? eine Fliege fieng
Sich itzt in den Geweben!
Sie kämpft: du hascht das arme Ding
Und raubt ihr kleines Leben!
Geht deine Kunst auf Mordbegier?
Fort! sie gilt weiter nichts bey mir!
Was heißt es, Kunst und Gaben
Zu böser Absicht haben?