Lob der Unschuld
J. Hiller
Du, der Unschuld süße Ruh',
o wie lieblich schmeichelst du
unser'n Seelen!
Eitle Wollust fleucht vor dir,
und doch lässest du es mir
nicht an Wollust fehlen.
Du streust Rosen und Jasmin
auf die sicher'n Pfade hin,
die ich gehe;
ich bin ganz Zufriedenheit,
wenn ich dich voll Heiterkeit
auf mich lächeln sehe.
Ohne Kummer, ohne Reu'
führst du sie vor mir vorbei,
meine Tage.
Meine Müh' machst du mir leicht,
und in meine Spiele schleicht
sich nicht späte Klage.
Lass mein Herz sich deiner freu'n,
dich noch, werd' ich älter sein,
Freundin nennen.
In dem Unglück tröste mich,
und nie lass mich ohne dich
eine Freude kennen!