Die Rosenknospe
J. Hiller
Du süße, schöne Rose du!
Mit Lust betracht' ich dich!
Halb aufgeblüht und halb noch zu,
ach! lächelst du auf mich!
Vom Tau gebadet stehst du hier,
frisch, glänzend, lieblich, schön!
Die schlauen Weste schmeicheln dir,
indem sie sanfter weh'n.
Doch traue nicht! ach! öffne nicht
dich ihren Schmeichelei'n!
Der Tag steigt auf, sein brennend Licht
wird dein Verderben sein!
Im Morgen meiner Lebenszeit
blüh' ich, der Knospe gleich;
noch ist mein Herz von Fröhlichkeit
und süßen Wünschen reich.
Doch öffn' ich dieses der Begier,
der Wollust falschem Schmerz,
so trifft mich ihre Glut, in ihr
verwelkt ein junges Herz.