Klagelied eines Knaben auf den Tod eines jungen Mädchens

J. Hiller

Dies bange Klaggetöne,

gilt das Amalien?

Wie, hab' ich nicht die Schöne

vor kurzem noch geseh'n?

O ja, mit ihren Schwestern

ging sie noch ehegestern

zum frohen Tanz

in einem Blumenkranz.

Wie die Orangenblüte,

so glänzt' ihr Angesicht,

und selbst die Rose glühte

darunter schöner nicht;

am Abend von dem Tage

war ihre letzte Klage,

dass ganz und gar

ihr Kranz entblättert war.

Wer hätt' ihr sollen sagen,

dass wir in nächster Nacht

sie würden so beklagen,

wie sie des Kranzes Pracht.

Die Blume - unter allen

die schönste - ist gefallen.

Sie fällt herab,

so früh verwelkt, ins Grab.

Wo seid ihr, süße Rosen,

wo seid ihr hingefloh'n?

Statt euch noch zu liebkosen,

eilt man behend' davon.

Wie schlecht schmückt sie die Seide

von ihrem Sterbekleide!

Und dies ist doch

an ihr das Schönste noch!

Bald wird man den Gebeinen

die letzten Dienste weih'n,

um sie nicht weiter weinen,

und sie vergessen sein!

Ich will ihr Blumen streuen,

so oft sie sich verneuen...

Doch wer sagt mir,

wie lange bin ich hier?