Das Lamm
J. Hiller
Wie nah, du armes Lämmchen, du,
Wie nahe gehst du mir!
Noch spielst du sorglos und in Ruh,
Und ach! was drohet dir!
Von dem, der dir das Futter giert,
Glaubst du, er sey dein Freund? --
Dich liebt er, weil er sich nur liebt,
Und ist dein ärgster Feind!
Die rothe Schleife, welche sich
Izt um dein Hälschen schlingt,
Ach! ist das Band, woran man dich
Zum Tode morgen bringt.
Und diese Hand -- mit sanftem Muth
Wird sie von dir geküßt?
O! wüßtest du, daß morgen Blut,
Dein Blut von dieser fließt!
Wohl dir! genieß in Glück und Ruh
Der kurzen Lebensfrist!
Was hülf es dir, ach, wüßtest du,
Was dir beschieden ist!