Der Morgen

J. Hiller

Willkommen, schöner Morgen!

Wie groß ist deine Pracht!

Sie bliebe mir verborgen,

wär' ich nicht früh erwacht.

Lust, Wunder und Entzücken

begegnen meinen Blicken,

wohin ich immer seh'

im Tal und auf der Höh'.

Es glüh'n der Berge Spitzen

von güld'nem Sonnenstrahl;

von Diamanten blitzen

die Pflänzchen überall.

In Luft und auf der Weide

ertönt das Lied der Freude

und weckt in süßem Schall

den dankbar'n Widerhall.

Ihr wisst nicht, reiche Prasser,

was ihr für Glück verschlaft!

Seid eure eig'nen Hasser

und durch euch selbst bestraft!

Verschlaft die schönsten Stunden,

nie sei von euch empfunden,

was diese schöne Welt

für Wunder in sich hält.

Ich will es aber fühlen.

Indem die Weste mir

in Locken lieblich spielen,

sitz' und betracht' ich hier.

Gott! ist mein irdisch Leben

mit so viel Glück umgeben,

was wird der Wohnplatz sein,

der uns dort soll erfreu'n!