Das Rotkehlchen
J. Hiller
So seh' ich euch denn all' entweichen,
Ihr lieben kleinen Sänger, ihr!
Nur du, du zwitscherst noch in den entlaubten Sträuchen,
Du, Vögelchen mit rothem Kehlchen, mir!
O! fliehe jene schwarze Beeren,
Die dir der wilde Knabe hängt;
Und könntest du dich ja des Hungers nicht erwehren,
So komm' zu dem, der wirthlich dich empfängt.
Komm' du zu mir! Du bist bescheiden,
Und wirst mit nicht beschwerlich seyn:
An meinem Tische sollst du keinen Mangel leiden,
Mit voller Hand will ich dir Krümchen streun.
Du sollst umher in Freyheit hüpfen,
Muthwillig nie gejagt von mir:
Frey durch das Labyrinth von Tisch und Stühlen schlüpfen;
Ein Tannenreis grün' auch im Winter dir!
So lang' die finstern Tage währen,
Soll mich dein stilles Lied erfreun;
Und Deine Munterkeit und Gnügsamkeit mich lehren,
Mit Wenigem, wie du, vergnügt zu seyn.