Der Fleiß

J. Hiller

Süßer, angenehmer Fleiß!

O wie herrlich ist der Preis,

den er jedem Jüngling beut,

der ihm seine Kräfte weiht!

Wenn die Langeweile gähnt

und sich krank nach Possen sehnt,

hüpft in froher Tätigkeit

die ihm nie zu lange Zeit.

Ja, auf seid'nen Schwingen flieh'n

seine Stunden vor ihm hin;

den verlor'nen Augenblick,

nichts sonst, wünscht er sich zurück.

Er ist stark, gesund und frisch,

Arbeit würzet ihm den Tisch,

und kein kranker Ekel schleicht

sich zu seiner Mahlzeit leicht.

Wenn er winkt, drückt ihm die Ruh'

seine Augen willig zu;

nie hat ihn ein Traum geweckt,

der im Schlummer ihn erschreckt.

Er begegnet allemal

früh dem ersten Sonnenstrahl,

wenn er, munter'm Fleiß geneigt,

von den Bergen niedersteigt.

In der Jahre reifer'n Lauf

suchen Ehr' und Würd' ihn auf;

Glück und Segen warten sein,

um sein Alter zu erfreu'n.

Allerorten trifft er dann

Früchte seiner Arbeit an;

keinen Augenblick der Zeit,

den er nun umsonst bereut.

Auch im Alter, auch als Greis

ist er munter und voll Fleiß.

und ihn trägt kein falscher Stab

an sein ruhig, spätes Grab.