Brüderliche Eintracht

J. Hiller

Bruder und Schwester.

Bruder.

Sieh, Schwesterchen, wie sich die Täubchen lieben!

Sie folgen stets einander Schritt vor Schritt:

Was dieß betrübt, scheint jenes zu betrüben,

Wann sich dieß freut, erfreut sich jenes mit:

Dieß müssen wohl Geschwister seyn,

Denn ihre Lieb' ist ungemein!

Schwester.

Sieh', Brüderchen! den Weinstock mit den Reben,

Wie sich sein Arm um jenes Bäumchen schlingt!

Sie scheinen für einander nur zu leben,

Die Rebe, die du ihm entreissest, sinkt:

Dieß müssen auch Geschwister seyn.

Denn ihre Lieb' ist ungemein!

Der Bruder.

Sie sinds gewiß: denn lieben wir uns beyde

Nicht eben so? du weißt, was du mir bist!

Find' ich dich nicht, so hab' ich keine Freude,

Und Glück ist da, wo Henriettchen ist.

So zärtlich, unverfälscht und rein,

Kam keine Lieb', als unsre seyn.

Schwester.

Mein Brüderchen, der süsseste Gespiele

Bist du mir zwar: doch lieb' ich dich nicht nur

Darum allein: nein; was ich für dich fühle

Ist mehr, als dieß, ist Neigung und Natur.

So unverfälscht, so zart und rein

Kann keine Lieb', als unsre seyn.

Beyde.

O! laß uns stets von dieser Freundschaft brennen,

Gefällig, treu, einträchtig, zärtlich seyn!

Nie möge Neid, noch Eigennuz uns trennen:

Ein jedes Glück, das kömmt, sey mein und dein!

Wo Herzen in Verbindung stehn:

Da ist erst Blutsverwandtschaft schön.